Ordenstag Wien 21. April 2018

„Wir senden eine Botschaft der Einheit in die Welt hinaus“

Erhellt von den morgendlichen Sonnenstrahlen und weitgehend menschenleer präsentierte sich Samstagfrüh der Wiener Innenbezirk. Lediglich ein paar Jogger und die Frühaufsteher unter den Touristen durchquerten um 7 Uhr früh bereits den Inneren Burghof der Hofburg, als 13 Postulantinnen und 58 Postulanten des St. Georgs-Ordens, sowie die Traditionsregimenter Aufstellung nahmen. Die von einzelnen Passanten neugierig beäugte Menschenansammlung wuchs binnen einer halben Stunde auf rund 450 Personen an, denn es traten noch die Ordensdamen und Ordensritter in Viererreihen hinter die Postulanten. Am Ende der Prozession nahm die Ordensregierung Aufstellung, an der Spitze der Großmeister S.k.k.H. Karl von Habsburg und der stellvertretende Großmeister S.k.k.H. Georg von Habsburg. 

Die morgendliche Stille wich schon bald der Marschmusik der anmarschierenden Regimentskapelle IR4, der Traditionskapelle des St. Georgs-Ordens. Nach der obligaten Meldung an den Großmeister, dem Erklingen der Kaiserhymne und weiterer Märsche folgte nach acht Uhr der formierte Abmarsch durch den Graben zum Wiener Stephansdom. 

 „Die Faszination des hl. Georg kennt keine Grenzen“

Der anschließenden Gottesdienst im Dom wohnten geschätzte 800 Besucher bei. Militärbischof Werner Freistätter hob in seiner Predigt drei wesentliche Aspekte des Wirkens des Heiligen Georgs – des Schutzpatrons des Ordens – hervor. Bemerkenswert sei etwa die ökumenische Dimension des im Jahr 303 unter Kaiser Diokletian hingerichteten Heiligen. So wurde der Märtyrer schon sehr früh in ungewöhnlich vielen Regionen verehrt, darunter dem Vorderen Orient, Äthiopien, Ägypten, im merowingischen Frankenreich, Italien und bald auch im deutschen Sprachraum. „Die Faszination des hl. Georg kennt keine Grenzen“, unterstrich Freistätter. In der römisch-katholischen Kirche gilt er heute ebenso als Heilige, wie in der orthodoxen Kirche, und selbst im Islam wird er als bedeutender Prophet angesehen.

Das christliche Rittertum ist eine weitere, wesentliche Dimension des Heiligen Georg: „Das ritterliche Ideal ist von Hilfsbereitschaft, Güte und vom Einstehen für den Glauben geprägt.“ Es verlange auch den „gemäßigten Gebrauch von Waffengewalt“, gerade in der heutigen Zeit. Wer in Not gerät, könne vom Heiligen Schutz und Hilfe erlangen. Zu guter Letzt hob Freistätter auch noch das Martyrium Georgs hervor: Er gab für den Glauben sein eigenes Leben. Dies sei ein Ansporn zur unbedingten Nachfolge Christi, wo immer man gerade ist. In allen Situationen gelte es Mut, Kraft und Hoffnung aus dem Glauben zu schöpfen. 

Aufnahme von vier neuen Ehrenrittern

Auf die Messe folgte die festliche Investitur, an deren Beginn zunächst vier Persönlichkeiten zu Ehrenrittern ernannt wurden, und zwar der bekannte Wiener Dompfarrer Anton „Toni“ Faber, der Grazer Bürgermeister Siegfrid Nagl, der ehemalige bulgarische Präsident Rossen Plewneliew und der ehemalige niederösterreichische Landeshauptmann Erwin Pröll. Danach traten die Postulanten nach Aufruf ihres Namens vor den Großmeister und wurden investiert. Mit Abschluss der Investitur war der Orden auf insgesamt 700 Ordensdamen und Ordensritter angewachsen. 

Bei sommerlichen Temperaturen nahmen die Ordensangehörigen auf dem mittlerweile stark belebten Stephansplatz Stellung. Der Abmarsch führte schließlich zum Palais Coburg, wo sich 450 Gäste in den historischen Kasematten zum Lunch einfanden. 

 Wiederaufleben der mitteleuropäischen Identität

Nach der Nachmittagspause mündete der Ordenstag beim Gala Dinner im Zeremoniensaal der Hofburg in seinen abschließenden Höhepunkt. Erzherzog Karl von Habsburg kam vor 400 Gästen auf das Gedenkjahr – 100 Jahre Ende des Ersten Weltkriegs – zu sprechen. Bemerkenswert sei Österreichs Entwicklung seither, unterstrich der Großmeister: „Entgegen sämtlichen Voraussagen von verschiedensten Seiten ging Österreich nicht unter, sondern hat sich phantastisch entwickelt, ist zusammengewachsen und nimmt heute eine zentrale Funktion in Mitteleuropa ein.“ 

Hochzufrieden zeigte sich der Erzherzog auch über die Entwicklung des Ordens. „Heute gelingt es uns zweifelsohne die mitteleuropäische Identität wieder aufleben zu lassen. Man sieht das an unseren Komtureien und an unserem Wachstum.“ Die Ritter müssten ihre Werte, ihr Land und ihren Kontinent verteidigen. „Einige unserer neuen, eben investierten Ritter stehen in der ersten Front. Deshalb möchte ich besonders zwei meiner eben investierten Freunde aus der Ukraine hier begrüßen. Sie sind zwei hoch dekorierte Generäle, die sich beide verdient gemacht haben bei der Verteidigung ihres europäischen Landes gegenüber Russland. Ich freue mich, dass Ihr beide hier seid“, erklärte der Großmeister unter tosendem Applaus. 

 „Ich habe einen Traum“ 

Ebenso erfreut zeigte sich Erzherzog Karl über die Investitur des ehemaligen Präsidenten Bulgariens Rossen Plewneliew. 

„Heute erleben wir mehrere Krisen und Konflikte“, meinte Plewneliew in seiner anschließenden Rede. Manche sprächen zurzeit von zwei Krisen in Europa, andere von fünf oder sieben. „Ich denke wir haben elf Krisen.“ Rossen Plewneliew erwähnte unter anderem die Konflikte mit Russland und rund um die Ukraine, die Situation Griechenlands, den Brexit, den Terrorismus und das neue Aufflackern des Nationalismus. 

Doch es blieb nicht beim Pessimismus. „Wir sind zusammenkommen um unsere Leidenschaft für das zu teilen, was wir unseren Kindern hinterlassen wollen. Ich habe einen Traum und den will ich mit euch allen jetzt teilen. Wenn wir auch nur eine dieser elf Krisen auf unsere Art und Weise, auf europäische Art und Weise lösen, können wir danach allen Menschen signalisieren: Wir können alle Probleme lösen.“ 

 Ein einzigartiges Friedensprojekt

Das Beisammensein an diesem Abend, die „von uns allen geteilte Leidenschaft für Europa sendet eine Botschaft der Einheit in die Welt hinaus. Wir wissen, was früher in Europa falsch lief und wir wissen, wie wir das in den Griff bekommen können. Wir können stolz sein, unsere Lektionen aus der Geschichte gelernt zu haben.“ Wichtige Vorbilder seien die Gründungsväter der Europäischen Union, unterstrich Plewneliew. „Wir können heute allen beweisen, dass der europäische Traum ein einzigartiges Friedensprojekt ist. Die Welt beobachtet uns. Es ist Zeit unser Selbstvertrauen wiederzufinden.“ 

Kurz erhob auch noch der Prokurator Baron Vinzenz von Stimpfl-Abele das Wort: „Ritter sind auch dafür bekannt, ordentlich feiern zu können, und ich denke, wir haben nach diesem so erfolgreichen Ordenskonvent mehr als genug Gründe dafür.“ Der in den frühen Morgenstunden begonnene Tag sollte nicht minder spät enden. Bis nach Mitternacht wurde gefeiert.