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Die letzten Tage der Regierung König Karls IV. in Ungarn

28. Oktober 1918

Menschenmassen dringen zur Budaer Burg, wo Erzherzog Josef als Stellvertreter des Königs residiert. Die Staatsmacht funktioniert noch. Die Gendarmerie eröffnet das Feuer (drei Tote und ein halbes hundert Verletzte) und drängt die Menge zurück.

Erzherzog Josef ist im ständigen Kontakt mit dem Monarchen in Wien. (Bereits am 13. Oktober ist der Premierminister Sándor Weckerle zurückgetreten.) Der König ernennt nun Graf Károlyi zum Premierminister. 

29. Oktober 1918

Nun ernennt der König Graf János Hadik zum neuen Regierungschef. Er soll in Transleithanien retten, was zu retten ist und am 30. Oktober übergibt der bisherige, schon zurückgetretene Amtsinhaber Weckerle das Ministerpräsidium. 

30. Oktober 1918

Es bricht die so genannte Asternrevolution aus. Ein so genannter ungarischer Nationalrat, unter Führung des Grafen Mihály Károlyi, drängt sich gebieterisch in den Vordergrund.

31. Oktober 1918 

Graf Hadik legt nach zwei Tagen den Auftrag zur Bildung der Regierung zurück. 

31. Oktober 1918

Der langjährige frühere loyale Ministerpräsident István Tisza wird erschossen. (Dahinter soll, erzählt man sich in der Hauptstadt, Graf Károlyi stehen, der Tisza bei einem Säbelduell unter schmachvollen Umständen unterlegen ist.)

Graf Károlyi lässt sich nun von seinem etwas voreilig in die Hand des Erzherzog geleisteten Treue-Eid zum König entbinden und zimmert eine so genannte  Volksregierung. Die parlamentarische Basis seiner Regierung aus persönlichen Anhängern, Sozialdemokraten und bürgerlich Radikalen ist äußerst schmal. 

8. November 1918

Admiral Nikolaus von Horthy, der ehemalige Flügeladjutant des alten Kaisers Franz Josef, der Adjutant auf der Hochzeit des späteren Kaiser Karls gewesen war, schwor in Gegenwart von Kaiserin und Königin Zita seinem Herrscher mit Tränen in den Augen: „Ich werde niemals ruhen, bis ich Euer Majestät wieder zu den Thronen in Wien und Budapest verholfen habe.“ Zahlreiche, teilweise durchaus positive Korrespondenzen zwischen König Karl und Horthy folgten. Horthy verzögerte die Rückkehr des Königs und das Vertrauen Karls war endgültig zerstört, als Horthy die Armee auf sich und nicht auf den König eingeschworen hatte. 

16. November 1918

Erst am 16. November wird in Budapest die Republik proklamiert. Währenddessen drängen rumänische, serbische und tschechische Truppen praktisch ungehindert immer tiefer nach Ungarn ein. 

Károlyi glaubt, jeder Widerstand würde die Friedensbedingungen mit der Entente verschlechtern. Deshalb lehnt er das verlockende Angebot Feldmarschall August von Mackensens, der sich mit seinen Reichsdeutschen und k.u.k. Divisionen aus Rumänien zurückzieht und der Regierung in Budapest anbietet, mit seinen noch überaus schlagkräftigen Einheiten Ungarns Grenzen zu schützen. (Károlyi hatte bereits am 13. November eine so genannte Militärkonvention mit dem französischen Marschall Louis Franchet D’Espéry abgeschlossen, in der die Demobilisierung der ungarischen Streitkräfte vereinbart wird.) Das Land steht nun wehrlos da. 

Als komische Note der Geschichte: Der französische Marschall ist über die Gewandung von Károlyi und Konsorten einigermaßen erstaunt – diese erscheinen mit Sportkappen auf dem Haupt, in knielangen Hosen und Gamaschen. Da es draußen schon dunkel ist, erlaubt sich der französische Marschall mit einer Lampe in das Gesicht von Károlyi zu leuchten und stellt die Frage: „Sind Sie Jude?“. Das soll Károlyi nicht gefreut haben. 

Die Mitglieder der Regierung Károlyi sind in der Mehrheit Freimaurer. Für die Sozialdemokraten sitzt ein Mechaniker, sonst ein jüdischer Journalist und als Kriegsminister der k.u.k. Oberst Béla Linder im Kabinett. Er befiehlt bereits am 1. November allen ungarischen Soldaten die Waffen niederzulegen und nach Hause zu gehen. Damit fällt er der an allen Fronten schwer ringenden k.u.k. Armee in den Rücken. Berühmt ist sein Ausspruch: „Ich will keine Soldaten mehr sehen“ – Ein seltsamer Kriegsminister! – Er wird bereits am 9. November seines Amtes enthoben.

Der Schaden ist nicht mehr gut zu machen. Soldaten aus Rumänien, des SHS-Staates und der Tschechoslowakei marschieren aus drei Richtungen immer tiefer in die ungarische Tiefebene. Die Rumänen werden 1919 für mehrere Monate sogar die Hauptstadt besetzen und beim Abzug alles mitnehmen, was nicht niet- und nagelfest ist. 

1. Dezember 1918

Der katholische Geistliche János Hock vereidigt Károlyi und dessen Minister. 

11. Jänner 1919

Károlyi lässt sich am 11. Jännern1919 zum Staatspräsidenten küren. Nachdem er den harten Gesprächen mit der Entente nicht gewachsen ist, wirft er die Nerven weg und übergibt am 20. März die Regierung „dem ungarischen Volk“.

Am 21. März beginnt die Schreckensherrschaft des Béla Kun, die so genannte Räterepublik, die bis August 1919 dauern soll. 

Der noch immer schwerreiche Graf Károlyi zieht sich nach Prag zurück und frönt wieder seiner alten Leidenschaft: dem Kartenspiel. Anfang der 1920er Jahren möchte Károlyi sogar Mitglied der KP werden, aber Lenin soll darauf gesagt haben: Was sollen wir mit diesem verrückten Grafen anfangen?“

Am 16. Oktober 1918 hatte Kaiser Karl sein Manifest verfasst, dessen Inhalt von bleibender Bedeutung ist: 

„An Meine getreuen österreichischen Völker!

Seitdem Ich den Thron bestiegen habe, ist es Mein unentwegtes Bestreben, allen Meinen Völkern den ersehnten Frieden zu erringen, sowie den Völkern Österreichs die Bahnen zu weisen, auf denen sie die Kraft ihres Volkstums, unbehindert durch Hemmnisse und Reibungen, zur segensreichen Entfaltung bringen und für ihre geistige und wirtschaftliche Wohlfahrt erfolgreich verwerten können. Das furchtbare Ringen des Weltkrieges hat das Friedenswerk bisher gehemmt. Heldenmut und Treue - opferwilliges Ertragen von Not und Entbehrungen haben in dieser schweren Zeit das Vaterland ruhmvoll verteidigt. Die harten Opfer des Krieges mussten uns den ehrenvollen Frieden sichern, an dessen Schwelle wir heute, mit Gottes Hilfe, stehen. 

Nunmehr muss ohne Säumnis der Neuaufbau des Vaterlandes auf seinen natürlichen und daher zuverlässigsten Grundlagen in Angriff genommen werden. Die Wünsche der österreichischen Völker sind hierbei sorgfältig miteinander in Einklang zu bringen und der Erfüllung zuzuführen. Ich bin entschlossen, dieses Werk unter freier Mitwirkung Meiner Völker im Geiste jener Grundsätze durchzuführen, die sich die verbündeten Monarchen in ihrem Friedensangebote zu Eigen gemacht haben. Österreich soll, dem Willen seiner Völker gemäß, zu einem Bundesstaate werden, in dem jeder Volksstamm auf seinem Siedlungsgebiete sein eigenes staatliches Gemeinwesen bildet. Der Vereinigung der polnischen Gebiete Österreichs mit dem unabhängigen polnischen Staate wird hiedurch in keiner Weise vorgegriffen. Die Stadt Triest samt ihrem Gebiete erhält, den Wünschen ihrer Bevölkerung entsprechend, eine Sonderstellung. 

Diese Neugestaltung, durch die die Integrität der Länder der ungarischen heiligen Krone in keiner Weise berührt wird, soll jedem nationalen Einzelstaate seine Selbstständigkeit gewährleisten; sie wird aber auch gemeinsame Interessen wirksam schützen und überall dort zur Geltung bringen, wo die Gemeinsamkeit ein Lebensbedürfnis der einzelnen Staatswesen ist. Insbesondere wird die Vereinigung aller Kräfte geboten sein, um die großen Aufgaben, die sich aus den Rückwirkungen des Krieges ergeben, nach Recht und Billigkeit erfolgreich zu lösen. 

Bis diese Umgestaltung auf gesetzlichem Wege vollendet ist, bleiben die bestehenden Einrichtungen zur Wahrung der allgemeinen Interessen unverändert aufrecht. Meine Regierung ist beauftragt, zum Neuaufbaue Österreichs ohne Verzug alle Arbeiten vorzubereiten. An die Völker, auf deren Selbstbestimmung das neue Reich sich gründen wird, ergeht Mein Ruf, an dem großen Werke durch Nationalräte mitzuwirken, die - gebildet aus den Reichsratsabgeordneten jeder Nation - die Interessen der Völker zueinander sowie im Verkehre Meiner Regierung zur Geltung bringen sollen. 

So möge unser Vaterland, gefestigt durch die Eintracht der Nationen, die es umschließt, als Bund der freien Völker aus den Stürmen des Krieges hervorgehen. Der Segen des Allmächtigen sei über unserer Arbeit, damit das große Friedenswerk, das wir errichten, das Glück aller Meiner Völker bedeute.

Wien, am 16. Oktober 1918
Karl m.p.
Hussarek m.p.“

Karls Rückkehr

Karl stützte sich auf die Unterstützung des französischen Ministerpräsidenten Aristide Briand, der Karl sogar aufforderte, die Rückkehr zu wagen. 

Prinz Sixtus gab dessen Überlegungen so wieder: „Wenn Kaiser Karl jetzt zurückkehrt und sich des Thrones bemächtigt, werden wir einen treuen Verbündeten Frankreichs und Großbritanniens als König und auch eine französische Prinzessin als Königin von Ungarn haben. Zweifellos wird Österreich bald folgen. Nun ist es Zeit für den Kaiser, alle Energien, die er nur besitzt, zu zeigen.“

Der Kaiser dachte an ganz neue Formen des Zusammenlebens, an Möglichkeiten, die sich Jahrzehnte später zum Beispiel im britischen Commonwealth verwirklichten: Kaiser Karl äußerte oft in Gedanken, dass Teilstaaten im Rahmen seines Reiches ohne Umstände, über Wunsch des Volkes, die republikanische Staatsform annehmen könnten. 

Ein einiges christliches Mitteleuropa und das war für Kaiser Karl ein selbstverständliches, unveräußerliches Ziel. 

Hier muss der Orden anschließen:

  • Wir sind ein politischer, aber überparteilicher Orden. Wären wir kein politischer Orden, würden wir uns von den anderen Institutionen ähnlicher Art nicht abgrenzen.
  • Wir sind christlich, aber kein kirchlicher Orden. Dafür haben wir einen ausgezeichneten geistlichen Beirat. 

Als wir – und da danke ich besonders dem Großmeister – von 2007 an mit Schweiß und Tränen den Orden reformierten, sprachen wir des Öfteren davon, dass der Orden das Schwert des Hauses Habsburg sein soll. Ich betone, das Schwert und nicht eine x-beliebige Institution, die dem Haus nahe steht. Wir müssen deshalb nach der Reform einige Dinge beachten: 

  • Er darf nicht zu bürokratisch werden
  • Die Kameradschaft und Ordensbrüderlichkeit muss gestärkt werden
  • Wir müssen politisch in der Öffentlichkeit agieren, wobei es zahlreiche Felder gibt, die hier aufzuzählen zu weit führen würde, aber wir müssen agieren
  • Wir dürfen nicht zu formalistisch werden. Wir müssen allen Ideen im Orden, soweit sie den Werten entsprechen, Raum geben. Hierarchie ist ebenso notwendig, was nicht heißen darf, interessierten und mitdenkenden Mitgliedern den Mund zu verbieten. 
  • Unsere Werte sind konservativ. Das heißt nicht, dass wir in 70 Prozent aller Fragen übereinstimmen – aber nicht mehr, denn Konservative sind immer Individuen. 
  • Angst vor Kritik soll uns nicht hemmen. Wir müssen auch öffentlich auftreten. 

Mit einem Wort: Die Scheide darf nicht schöner als das Schwert sein und das Schwert in der Scheide darf nicht verrosten. 

Ich bin absolut überzeugt, dass die Ordensführung in diesem Sinne vorgehen wird und muss und bedanke mich schon jetzt dafür.