Ein besonders festlicher Ordenstag in Budapest

Budapest, Samstagfrüh um 9 Uhr 15: Ein kräftiger Erzherzog-Albrecht-Marsch eröffnete vor der St. Stephans-Baslika den Ordenstag. Rund 200 Ordensritter und Ordensdamen sowie 44 Postulanten hatten sich an diesem 27. April hier zur Aufstellung eingefunden, darunter natürlich auch die Ordensregierung mit dem Stellvertretenden Großmeister S.k.k.H. Georg von Habsburg. Für Passanten war es eine Kuriosität, für den St. Georgs-Orden mittlerweile ein festes Ritual, das jeden Ordenstag dank des Platzkonzerts der Hoch- und Deutschmeister k.u.k. Wiener Regimentskapelle IR4 entsprechend feierlich einleitet. 

Es folgten noch der Schönfeld-, Alt Starhemberg-, Radetzky- und Deutschmeister Regimentsmarsch. Nach der Meldung beim Stellvertretenden Großmeister zogen alle Ordensmitglieder samt Postulanten in der St. Stephans-Basilika ein, begleitet von einer vom Dirigenten Helmut Zsaitsits komponierten Fanfare. 

Der riesige Innenraum der größten – und vielleicht auch prächtigsten – Kirche Budapests (erbaut von 1851 bis 1905) bot einen besonders feierlichen Rahmen für den Festgottesdienst, der darüber hinaus durch den wunderschönen Gesang des Kirchenchors unter der Leitung von László Fehér untermalt wurde. Gesungen wurde die Missa Choralis von Franz Liszt. Als Hauptzelebrant fungierte S.E. György Snell, der Weihbischof von St. Stephan Budapest. Alle drei Konzelebranten waren Mitglieder des Geistlichen Rats des Ordens: der Altbischof von St. Pölten S. E. Bischof Klaus Küng, der Abt von Stift Jasov Prälat Ambróz Martin Štrbák und Prälat German Erd OCist, Abt von Stams. 

In der Predigt widmete sich Bischof Küng ganz dem schwächelnden Christentum Europas. (Sie finde die Predigt im Wortlaut hier.) „In den Herzen vieler Europäer scheint die Gestalt Jesu zu verblassen“, beklagte er. „Es bemächtigt sich ihrer eine Denkweise, die sich eine Welt konstruiert, in der Gott nicht vorkommt, ja, in gewissem Sinn gar nicht nötig ist.“ Einen wichtigen Impuls erblickte der Bischof in der Lesung aus der Apostelgeschichte, in der Petrus und des Johannes den Schriftgelehrten antworteten: „Wir können unmöglich schweigen über das, was wir gesehen und gehört haben.“ Dazu Küng: „So stelle ich mir die Haltung eines St. Georg-Ritters vor: Wenn es um Werte geht, die für die Entfaltung des Menschen von großer Bedeutung sind, ist es notwendig, mutig für sie einzutreten. Welches sind diese Werte? – Letztlich sind es die christlichen. Sie erklären sich vom Schöpfer, von Gott her.“ Und so wie Jesus die Jünger in die ganze Welt sandte um das Evangelium allen Geschöpfen zu verkünden, sei dies auch Aufgabe aller Christen, und der St. Georg-Ritter ganz besonders. 

Auf die Festmesse folgte wie immer die Investitur – dieses Mal bewusst in der historischen Unterkirche, weil sich dort auch der Sarkophag des hl. Stephan I. von Ungarn befindet. Für das anschließende gemeinsame Mittagessen hatten die Organisatoren mit der Ungarischen Akademie der Wissenschaften einen sehr noblen Ort gewählt. Ganz besonders erlesen war aber schließlich der Veranstaltungsort, an dem mit dem Gala Dinner der Ordenstag in seinen Schlussteil überging: der Burgpalast, das größte und höchstgelegene Gebäude von Budapest, in dem sich heute unter anderem die Ungarische Nationalgalerie befindet. 

„Dieser Ordenstag ist für mich, da ich in Budapest lebe, eine besondere Freude“, erklärte S.k.k.H. Georg von Habsburg sichtlich erfreut. Er erwähnte auch die schweren Verluste Budapests durch den Zweiten Weltkrieg und den Kommunismus und verwies dabei auf den Burgpalast selbst, der Ende des Zweiten Weltkrieges in weiten Teilen zerstört und danach von den Kommunisten zwar in seiner Grundstruktur wiederhergestellt wurde, nicht aber ohne die verbliebenen Innenräume komplett zu zerstören. Immerhin: In Zukunft könnte der „Glanz des Sozialismus“ im Inneren bald der Vergangenheit angehören. Die ungarische Regierung plant die Burg in ihrer alten Schönheit wiederherzustellen, wie Georg von Habsburg unter Applaus berichtete. Für den restlichen, vor allem gemütlichen Teil des Tages hatte er noch einen praktischen Tipp: Kontakte pflegen und Netzwerken!