Zagreb im Zeichen Habsburgs

Dass der St. Georgs-Orden – ein europäischer Orden des Hauses Habsburg-Lothringen – fast auf den Tag genau hundert Jahre nach Beendigung der staatsrechtlichen Beziehungen zwischen Kroatien und der österreichisch-ungarischen Monarchie nun seinen Ordenstag in Zagreb abhielt, verstärkte die Symbolkraft des Ereignisses enorm. Ganz anders, als man es im Jahr 1918 hätte erwarten können, fühlt sich das heutige Kroatien der Monarchie und dem Haus Habsburg tiefer verbunden denn je. Das war auch an jenem Ordenstag Ende Oktober spürbar. Habsburg ist nicht gestern. In Kroatien ist Habsburg Gegenwart und Zukunft. 

Wie eng man sich der einstigen Herrscherfamilie verbunden fühlt, trat bereits am Vortag des Ordenstags (26. Oktober) zutage. Nicht ohne Grund fand die Sitzung des Ordensrats ausgerechnet im Museum Mimara statt. Genau an diesem Ort hatte nämlich SKKH Erzherzog Karl von Habsburg-Lothringen, der Großmeister des Ordens, sein Büro zur Zeit der Jugoslawienkriege eingerichtet. Seine Verdienste um die Anerkennung des Staates Kroatien damals sind nicht in Vergessenheit geraten. 

In den Morgenstunden des folgenden Tages (27. Oktober) war es dann soweit: 300 Ordensdamen und Ordensritter fanden sich zur Aufstellung auf dem Markusplatz ein, also direkt vor dem Sitz der kroatischen Staatsregierung und vor der romanischen St. Markus Kirche, einem der ältesten Baudenkmäler der Stadt, die in der Zeit der Monarchie in neogotischen Stil neu ausgestaltet wurde. Nach dem Erklingen der Kaiser-Hymne und der Meldung an den Großmeister bewegten sich die versammelten Ordensmitglieder in formierter Kolonne in Richtung der Universitätskirche der Hl. Katharina, wo die Festmesse und anschließende Investitur stattfand. Als Zelebrant fungierte der Rektor der Zagreber Kathedrale Msgr. Josip Kuhtić. Die Universitätskirche wurde auf Vorschlag von Kardinal Josip Bozanić, Erzbischof von Zagreb, für die Festmesse ausgewählt. Sie verkörpert nämlich die Tradition des Adels in Kroatien: Während der türkischen Belagerungen wurde die Kirche zwei Mal zerstört und mit den Spenden des kroatischen Adels im Jahre 1632 als schönster sakraler Barockbau der Stadt wiedererrichtet. Begleitet wurde die Festmesse von liturgischem Gesang in kroatischer, lateinischer und altslawischer Sprache. Bei der Investitur wurden dann rund 60 Postulanten und 5 Postulantinnen in den Orden aufgenommen. Der Orden umfasst nun fast 700 Mitglieder. 

Nach einem gemütlichen Mittagessen im Restaurant Johann Franck, zu dem sich auch die kroatische Präsidentin Kolinda Grabar-Kitarović einfand, mündete der Ordenstag – wie jedes Mal – in ein Gala Dinner am Abend, das diesmal im Smaragdsaal des Hotels Westin  stattfand. Neben der Ordensregierung – allen voran dem Großmeister SKKH Karl von Habsburg, Prokurator Baron Vinzenz von Stimpfl-Abele und Kanzler Stefan Schermaier – waren beim Gala Dinner auch ein Gesandter der kroatischen Präsidentin, Mate Granić, sowie der stv. Verteidigungsministers, Petar Mihatov, anwesend. 

Die Ritter der kroatischen Komtureien überreichten ihrem Großmeister bei dieser Gelegenheit ein ganz besonderes Geschenk: Im Wissen um die Vorliebe des Erzherzogs für Dokumente aus der Monarchiezeit hatten sie im Kroatischen Staatsarchiv einen Nachdruck des Krönungsdiploms des Seligen Kaiser Karls von Österreich anfertigen lassen, das sie Erzherzog Karl nun übergaben. Doch auch der Großmeister war nicht mit leeren Händen angereist. Im Gegenzug übergab er den beiden kroatischen Komture das Wappen der Dynastie und das persönliche Wappen Kaiser Franz Josephs I. sowie Kaiser Karls IV., angefertigt von einem Ordensbruder. Ein weiterer Ordensritter überreichte dem Großmeister eine Briefmarkensammlung, die dem 150. Jahrestag der Seeschlacht von Lissa gewidmet war. Gefeiert wurde bis tief in die Nacht. 

Der kroatischen Öffentlichkeit ist das große Ordenstreffen nicht entgangen. Sämtliche Medien, von Rundfunk und Fernsehen bis zu den wichtigsten Tageszeitungen, widmeten dem Ordenstag  ausführliche Berichte. 

Es war ein wirklich gelungener Ordenstag und Kaiser Franz Joseph I. hätte wohl gesagt: „Es war sehr schön, es hat mich sehr gefreut!“.