Leserbrief von Mag. Günter Fuhrmann, MAS, 1090 Wien

An den 

St. Georgs-Orden
z.Hd. Vinzenz Baron von Stimpfl-Abele
Rennweg 10
1030 Wien

Wien, 21. Februar 2017

Sehr geehrter Baron von Stimpfl-Abele!

Sie sind im St. Georgs-Orden für Kommunikation und Strategie verantwortlich, ich möchte mich daher in einer Sache an den Orden wenden, die derzeit die österreichische Bevölkerung sehr zu beschäftigen scheint. 

Der St. Georgs-Orden ist ein europäischer Orden des Hauses Habsburg. Ich nehme daher an, der Orden fühlt sich auch mit der Geschichte Österreichs und seiner Nachbarländer sehr verbunden.

Nun soll ein Teil dieser Geschichte verschwinden – nicht offensichtlich, sondern getarnt durch die Neubenennung des wahrscheinlich berühmtesten Platzes in Wien, dem Heldenplatz. 

Wenn man den Platz schon umbenennt, möchte ich auch einen Namensvorschlag in die Diskussion einbringen:

OTTO VON HABSBURG – PLATZ

Ich kann auch begründen warum ich diesen Namen vorschlagen würde.

Bundesminister Drozda initiierte die Umbennungsdiskussion in einem Interview in der Presse mit den Worten der Name Heldenplatz sei "historisch doch einigermaßen belastet(e)".

Was meinte er wohl damit? Das Konzert dort 2015? Das Lichtermeer 1992? Das Bernhard-Stück aus 1988? Der Katholikentag mit Papst Johannes Paul II. 1983? Das Dollfuss-Begräbnis 1934? Oder gar den Eucharistischen Weltkongress 1912? 

Es wird wahrscheinlich wie immer Adolf Hitler gemeint sein. Er ist eine ganze Stunde am 15. März 1938 dort gestanden und hat den Beginn der dunkelsten Zeit in der Geschichte Österreichs bebrüllt. Sehr schade wäre es, wenn der „Herr Schicklgruber“ nun endgültig über den Rest der Geschichte des Ortes triumphieren sollte - in dem der Name des Platzes ausgelöscht wird, auf dem all diese anderen Ereignisse eben auch stattfanden. Aber bitte, "historisch einigermaßen belastet" ist ein starkes Argument!

Übrigens, Hitler hat den Planungen für den März 38 einen Decknamen gegeben: "Unternehmen OTTO". 

Gemeint war Otto von Habsburg, denn dieser galt den Nazis als größte Gefahr für ihre Anschlusspläne. Er stand auch auf der Fahndungsliste ganz oben - und als die braune Bagage in Österreich war, gingen sämtliche Anhänger Otto von Habsburg sofort in die Transporte nach Dachau. Die meisten kamen nicht zurück.

Otto von Habsburg setzte sich während seiner Zeit im amerikanischen Exil mit allen Kräften bei Präsident Roosevelt für eine Wiederherstellung eines freien und unabhängigen Österreichs ein. Die Westalliierten waren gar nicht dafür - wollte doch Stalin zuerst ein "wiederhergestelltes Österreich" als künftigen Satelliten. Churchill plante einen Südstaat aus Würtemberg, Bayern und Teilen Österreichs. Doch Otto von Habsburg konnte Roosevelt überzeugen, dass Österreich ein Land mit eigener Tradition und Geschichte ist - und so erstand unser Land am 27. April 45 wieder. 

Gedankt wurde Otto von Habsburg für seinen Einsatz für Österreich in Washington und London während des Krieges natürlich nie - vom offiziellen Österreich. Die zahlreichen Flüchtlinge - darunter viele Juden denen er das Leben retten konnte – haben ihren Dank sehr wohl ausgesprochen.

Otto von Habsburg glaubte an Europa - an eine Gemeinsamkeit die über reine wirtschaftliche Bindungen hinausgeht. Eine Gemeinsamkeit, die auf Kultur und Geschichte basiert, eine Wertegemeinschaft gründend auf römischen Recht, griechischer Philosophie und jüdisch-christlichem Ethos.

Und er hatte eine europäische Vision - als der eiserne Vorhang Europa teilte und niemand an das Ende der Teilung dachte, hat er einen leeren Stuhl ins Europaparlament gestellt und sagte: "Darauf sitzen die europäischen Völker HINTER dem eisernen Vorhang, die dürfen wir nicht vergessen". 

Unser Europa braucht dringen neue Visionäre - warum nicht den Heldenplatz diesem großen Vordenker eines gemeinsamen Europas widmen?

Unvergessen ist der Trauerzug vom 16. Juli 2011 über den Heldenplatz bei dem Tausende Menschen Abschied von Otto von Habsburg nahmen. Allein dadurch wäre auch ein enger räumlicher Bezug zwischen Platz und Person gegeben. Naja, man könnte auch sagen seine Familie hat rund um den Platz einmal gewohnt...

Ich denke, die angeführten Argumente sollten bei einer etwaigen Namensänderung berücksichtigt werden. Aus meiner Sicht wäre Otto von Habsburg – Platz ein passender und würdiger Name. Es würde mich freuen, wenn der St. Georgs – Orden diese Idee unterstützen würde.

Falls sich mein Vorschlag aber nicht durchsetzen sollte, würde ich für eine Beibehaltung des jetzigen Namens HELDENPLATZ plädieren.

Mit besten Grüßen,

(Unterschrift des Verfassers)

Aus gegebenem Anlass...

  …betont der St. Georgs-Orden an dieser Stelle die Tatsache, absolut überparteilich zu sein und zu agieren.

Wie jede Organisation unterstützt aber selbstverständlich auch er alle Mitglieder, die sich bemühen, seine Prinzipien in Gesellschaft und Politik hineinzutragen. Zuletzt war dies der Präsidentschaftskandidat Ing. Norbert Hofer, der sich Werten und Zielen des St. Georgs-Ordens zutiefst verpflichtet fühlt.

Prokurator Dr. Norbert van Handel hat in diesem Zusammenhang mehrfach festgestellt, dass eine solche Unterstützung niemals einer Partei gelten kann und wird, sondern immer einer Person. Die Tatsache, dass jeder Ordensritter in seiner persönlichen Wahlentscheidung absolut frei ist, versteht sich von selbst.

Der Umstand, dass jede Organisation, die in der Öffentlichkeit für bestimmte Werte eintritt, Ziele verfolgt und etwas zur Entwicklung der Gesellschaft beitragen will, in gewisser Weise auch als politisch aktiv wahrgenommen wird, ist weder ungewöhnlich, noch negativ. Im Gegenteil.

Dem St. Georgs-Orden gehören Persönlichkeiten aus mehreren politischen Parteien und vielen Ländern an, die immer wieder zu verschiedenen Themen unterschiedliche Meinungen haben. Diese Vielfalt macht den Orden aus und bereichert ihn. Das was die St. Georgs-Ritter aber immer verbindet, sind die gleichen Werte und die gute Tradition, in der Diskussion auf Korrektheit und Stil bedacht zu sein.

Leider mussten wir feststellen, dass es immer Ausnahmen gibt, aber diese bestätigen bekanntlich die Regel.